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Route 2: Gutshaus Kartzitz
bei Rappin

1314: erste urkundliche Erwähnung als "Kartzitze"
1318: Dorf und Gut Kartzitz werden erstmals zusammen erwähnt
15. Jhd.: im Besitz der Familie von Usedom
1750: Bau des Herrenhauses mit den seitlichen Kavaliershäusern im Stil des Barock.
19. Jhd.: Das Gut geht in bürgerlichen Besitz über. Familie Schröder, Carl Leitner und bis 1945 Familie von Schinckel.
1945: Enteignung und Nutzung als Wohnung, Verwaltungsgebäude u.a.
Lage: im Ort Kartzitz an der Straße nach Ralswiek über Lüßmitz
Gegenwart: 1990 erwarb Joachim von Schinckel das Gut. Das Gebäude ist größtenteils saniert und von außen zu besichtigen
© Fotos: Rolf Böhm, Januar 2005
Über ganz Rügen verteilt, besonders aber in den vorrangig landwirtschaftlich genutzten Regionen Süd- und Westrügens, legen noch heute zahlreiche Gutsanlagen Zeugnis ab von der Rolle der Landwirtschaft. Die großflächige Gutswirtschaft hat über Jahrhunderte hinweg sowohl die Landschaft als auch Siedlungsentwicklung geprägt. Ihr Spektrum reicht weit, vom einfachen Gutshof bis hin zur pompös, fast schlossähnlich gestalteten und mit einem Park versehenen Anlage. Im ländlichen Raum stellen die Gutshäuser auch heute noch einen ganz besonderen Anziehungspunkt dar.
Gutshof, Herrenhaus und der nördlich davon liegende Park bilden eine in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegte Einheit. Das 1318 erstmals erwähnte Gut gehörte bis Ende des 19. Jahrhunderts der Familie von Usedom. 1935 erwarb es Ernst v. Schinkel. Das verwahrloste Herrenhaus sowie die Parkanlage wurden durch ihn grundlegend und sorgfältig erneuert. 1945 wird der Besitz enteignet und aufgesiedelt. Der verwildert, die Teiche trocknen aus, der alte Baumbestand bleibt zum großen Teil erhalten. Nach der Wiedervereinigung erwarb Joachim v. Schinkel große Teile der alten Gutsanlage zurück und verkaufte sie später an Graf und Gräfin Knyphausen, die Herrenhaus und Park umfassend restaurieren.
Das um 1750 umgestaltete Gut zählt zu den schönsten Barockanlagen der Insel Rügen. Von der ehemals barocken Parkanlage sind nur noch Reste der beiden seitlich einfassenden Kastanienalleen erhalten, sowie an ihrem Ende ein quer davor gelegter Teich. Der hintere Teil des Parks ist um 1800 zugunsten einer Anlage im englischen Stil umgebaut worden. Dort befindet sich nach der Restaurierung 1999 wieder ein bemerkenswertes Denkmal von 1804, das an die im selben Jahr verstorbenen Anna v. Usedom erinnert. Joachim v. Schinkel ließ 1995 auf der Begräbnisinsel im so genannten großen Teich einen Gedenkstein für seine bei Kriegsende 1945 auf tragische Weise umgekommene Familie errichten.
Sehenswert sind eine beinahe 300 Jahre alte Platane, eine etwa 200jährige Blutbuche und wohl fast ebenso alte Rosskastanien und Eiben.





